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Spinell im Steinhalter

Spinell

Kleinod im Schatten der Rubine und Saphire

Reiner Spinell ist eigentlich farblos. Doch das Mineral zeigt sich chemisch flexibel und kristallisiert trotz unterschiedlichster Anteile verschiedener Metalle, häufig Aluminium und Magnesium. Heraus kommt, nach einigen Millionen Jahren, ein buntes Spektrum verschiedenster Farbvarianten, darunter Spinelle in Rot-, Violett- und Rosatönen über Grün und Blau bis hin zu Schwarz.

Bereits der gerne als »Vater der Mineralogie« bezeichnete große Gelehrte der Renaissance, Georgius Agricola wusste: »Zeigt ein Karfunkel ein herrliches Rot und einen prachtvollen Glanz, so nennt man ihn Spinell«. Möglicherweise leitet sich dieser klangvolle Name vom griechischen Wort »spinther« für Funke ab und bezieht sich damit auf eben jenes begehrte, herrliche Rot. Möglich ist jedoch auch, dass der Name Spinell wegen seiner Oktaederform etymologisch vom lateinischen »spina« für Dorn stammt.

Agricolas Ausspruch zeigt, wie schwierig es für die Mineralogen damals war, die im Mittelalter durchgängig als Karfunkel bezeichneten roten Edelsteine Rubin, Granat und Spinell ohne die heutigen optischen Gerätschaften auseinanderzuhalten und zuverlässig zu klassifizieren. Gleiches gilt für die Saphire, die in ebenso zahlreichen Farbgebungen vorkommen und leicht mit dem Spinell verwechselt werden konnten, werden doch alle drei Edelsteine gelegentlich am gleichen Fundort geborgen.

Rubine und Saphire sind im Laufe der Jahrhunderte ungleich bekannter geworden als der Spinell, da sich mancher berühmte »Rubin« erst angesichts moderner Diagnosemethoden als roter Spinell erwies. Zwar steht der Spinell den Rubinen und Saphiren in Leuchtkraft und Brillanz in nichts nach, doch er führte lange Zeit ein Schattendasein. Auch im Handel wurden vor allem »rubinrote« und »saphirblaue« Spinelle nachgefragt. Erst heute, da man um die außerordentliche Seltenheit des Spinells weiß, wandelt sich diese Einschätzung und Spinelle in seltenen Farben gelten als besondere Sammlerstücke.

»Rubinrote« und »saphirblaue« Spinelle waren im Mittelalter besonders beliebt.Zoom »Rubinrote« und »saphirblaue« Spinelle waren im Mittelalter besonders beliebt.Foto: S. Kitahashi

Das bunte Farbenspiel der Spinelle

Wie bereits erwähnt wäre reiner Spinell, ohne Anteile unterschiedlicher Metalle, vollkommen klar und farblos. Defakto bringt die chemische Beschaffenheit des Spinells die unterschiedlichsten Farbvarianten hervor.

Der grüne Spinell mit Anteilen aus Eisen und Kupfer wird auch als Chlorospinell bezeichnet. Blauer, zinkhaltiger Spinell heißt Gahnospinell. Spinelle in Rosa- oder Rottönen werden auch Balas- oder Rubinspinelle genannt. Grüner, bräunlicher oder schwarzer Spinell, sogenannter Picotit, entsteht durch Anteile an Chrom. Auch Eisenanteile können eine dunkelgrüne bis schwarze Färbung der Spinelle hervorrufen, die dann unter der Bezeichnung Pleonast, Ceylanit oder Ceylonit geführt werden.

Da Spinelle von Natur aus rein sind, mindern Verunreinigungen den Preis deutlich.Zoom Da Spinelle von Natur aus rein sind, mindern Verunreinigungen den Preis deutlich.Foto: Géry Parent

Spinelle sind meist frei von Einschlüssen

Spinelle sind ausgesprochen rein und weisen in den seltensten Fällen auffällige Einschlüsse auf. Damit heben sie sich von Rubinen und Saphiren ab, die im Durchschnitt weniger rein sind und häufig größere Einschlüsse aufweisen.

Spinelle haben eine spröde Kristallstruktur, sind jedoch gleichzeitig relativ hart.Zoom Spinelle haben eine spröde Kristallstruktur, sind jedoch gleichzeitig relativ hart.Foto: Géry Parent

Spröde Schönheiten

Auf der Mohnsschen Skala weist der Spinell eine Mohshärte von 8 auf. Das Kristallsystem des Spinells ist kubisch. Die Dichte des Edelsteins liegt zwischen 3,54 und 3,90 g/cm3. Seine Spaltbarkeit ist unvollkommen und sein Bruch unregelmäßig muschelig. Dadurch sind Spinelle ausgesprochen schwierig zu schleifen.

Spinelle werden häufig gemeinsam mit Rubinkorunden gefunden, z.B. in Feldspat.Zoom Spinelle werden häufig gemeinsam mit Rubinkorunden gefunden, z.B. in Feldspat.Foto: Ryan Somma

Eine jahrhundertealte Verwechslungsgeschichte

Spinelle sind ausgesprochen selten, viel seltener als Korunde, insbesondere Rubine, mit denen sie häufig gemeinsam vorkommen. Das führte zu einer über Jahrhunderte währenden fortwährenden Verwechslung mit den Korunden, sodass man die besondere Seltenheit der Spinelle verkannte.

Spinelle gehören zur Mineralklasse der Oxide und kristallisieren in der Regel als kubische Oktaeder in vulkanischen Gesteinsschichten oder Marmoren aus. Gelegentlich kommen auch Zwillingssteine vor. Die große Farbvielfalt des Spinells entsteht durch verschiedene metallische Anteile an Chrom, Eisen, Kobalt, Mangan oder Zink.

Flusstäler wie das Panji-Tal in Tajikistan sind typische Ablagerungsstätten für Korunde. Zoom Flusstäler wie das Panji-Tal in Tajikistan sind typische Ablagerungsstätten für Korunde. Foto: Alan Cordova

Fundstätten von historischer Bedeutsamkeit

Die ältesten historischen Quellen über Spinellfunde gehen auf historische Schriften aus dem 11. Jahrhundert über eine Badakhshan genannte Mine im arabischen Raum zurück. Auch Marco Polo berichtete vom Abbau sogenannter Ballas-Rubine im heutigen Afghanistan, und man nimmt an, dass es sich bei den dort bekannten Spinellminen um die historischen Abbaugebiete handelt. Als Ballas-Rubine werden auch viele berühmte Spinelle bezeichnet, die teilweise in Kronjuwelen oder andere wertvolle historische Schmuckstücke eingesetzt wurden.

Bekannte Spinellvorkommen befinden sich in Myanmar (früher Burma), Tadschikistan, Vietnam und Tansania. Spinelle aus Sri Lanka sind vor allem für ihre Farbvielfalt bekannt und werden dort gemeinsam mit Saphiren und Rubinen abgebaut.

Der »Black Prince's Ruby« auf der »Imperial State Crown« ist in Wirklichkeit kein Rubin, sondern ein roter Spinell.Zoom Der »Black Prince's Ruby« auf der »Imperial State Crown« ist in Wirklichkeit kein Rubin, sondern ein roter Spinell.Foto: Aleister Crowley

Berühmte Spinelle der Geschichte

Man findet in der Imperialen Staatskrone in Großbrittanien den »Rubin des Schwarzen Prinzen« der in Wirklichkeit kein Rubin ist, sondern ein roter Spinell.

Auch einige besonders große Spinelle sind bekannt. In einer Privatsammlung befindet sich der in den 1980er-Jahren entdeckte Katharina-Spinell von 146,43 Karat. Bis zu 14 Kilogramm schwere Spinelle wurden in New Jersey, USA gefunden. Auch im Besitz arabischer Herrscherhäuser befinden sich einige beeindruckende Spinelle.